RV Großenhainer PflegeAktuelles

Unsere Feldstation

Ein Höhepunkt in unserem Jahresplan

Feldstation Pulsen im Jahr 2003 - Foto: Volker Wilhelms
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Feldstation Pulsen im Jahr 2003 - Foto: Volker Wilhelms

Unsere Feldstation ist ein Zeltlager in der Röderaue, dass jährlich am Wochenende nach Himmelfahrt stattfindet. Gemeinsam mit weiteren Mitstreitern haben Konrad Eichhorn und Werner Hanisch 1965 erstmals ein Zeltlager zur Beobachtung von Vögeln in der Röderaue ins Leben gerufen. Damals waren hauptsächlich Kinder und Jugendliche dabei und Konrad und Werner waren lange Zeit federführende Organisatoren dieser Feldstation. Sie haben vielen Kindern in Exkursionen die Natur gezeigt und in ihnen das Interesse an der heimischen Tier- und Pflanzenwelt geweckt, die bei einigen ihren Lebensweg entscheidend bestimmt hat.

Im Laufe der Zeit sind die Kinder von damals erwachsen geworden und haben Familien gegründet. Einige sind dem Zeltlager treu geblieben und reisen an dem Wochenende mit Familie und Zelt an. NABU-Mitglieder, Naturschützer und Naturinteressierte treffen sich hier zum Erfahrungsaustausch und zur Bestandsaufnahme der Tier- und Pflanzenwelt in der Röderaue.

Gemeinsam wird am Freitagabend das große Mannschaftszelt aufgebaut. Nach dem individuellen Abendessen trifft man sich zur Exkursion. Meist geht es da an die Teiche, um in der Abenddämmerung noch interessante Beobachtungen zu machen.

Ganz Verwegene sind am Sonnabend schon vor dem Frühstück auf Entdeckertour. Spätestens zum Frühstück werden alle durch unser benzingetriebenes Stromaggregat geweckt, aber mit frischen Kaffee und Bäckerbrötchen entschädigt. Nachdem sich alle gestärkt haben, geht es zur Vormittagsexkursion. Verschiedene Strecken und Längen werden dabei angeboten und von ortskundigen Naturschützern geführt, so dass sich jeder seiner Kondition entsprechend die Tour aussuchen kann. Im Zeltlager wird während der Zeit das Mittagessen auf dem Lagerfeuer vorbereitet. Meist gibt es Eintopf, den sich dann alle bei ihrer Rückkehr ins Quartier schmecken lassen.

Nach einer Mittagspause geht es zur nächsten Exkursion in die Röderaue. Manch interessante Beobachtung vom Vormittag wird noch mal überprüft. Alle Arten, die entdeckt wurden, werden in einer Liste verzeichnet. Highlights sind dabei der Schwarzstorch, Wiedehopf, Mittelspecht, Fischadler …

Zum Abend treffen sich dann alle am Grill und Lagerfeuer. Bei Bratwurst und Bier gibt es dann noch viel zu erzählen, bis sich einer nach dem anderen in sein Zelt verkriecht und im Schlafsack einkuschelt, bis dann am nächsten Morgen das Stromaggregat jeden zum frisch gebrühten Kaffee weckt …

Am Sonntagmorgen wird nach dem Frühstück alles aufgeräumt und zusammengepackt und jeder fährt wieder nach Hause. Ein interessantes Wochenende mit Gleichgesinnten ist erfolgreich zu Ende gegangen.

Feldstation Raden 2008 - Foto: Renate Wilhelms
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Feldstation Raden 2008 - Foto: Renate Wilhelms

Bei der Feldstation geht es nicht nur um die Ornithologie. Mittlerweile haben wir Entomologen, die Insektenkundler, mit dabei, die am späten Abend, wenn es windstill ist, ihre lichtstarken Lampen und weißen Tücher aufstellen und so Insekten anlocken, um sie zu bestimmen. Interessante Nachtfalter bekommt man da zu sehen.

Wenn es das Wetter zulässt, das heißt, wenn es trocken und relativ mild ist, haben wir unseren autorisierten Fledermausexperten mit dabei. Er kann mittels des „Bat-Detektor“ die hochfrequenten Rufe der Fledermäuse in hörbare Laute umwandeln. Wenn es windstill ist, wird zur Fledermausexkursion am Sonnabend an geeigneter Stelle auch mal ein Fangnetz aufgestellt und verfängt sich dann eine Fledermaus darin, wird die Art bestimmt und sie wird vermessen und gewogen. Danach werden die kleinen Flugkünstler wieder freigelassen und sie verschwinden lautlos in der Dunkelheit. Besonders begeistert von dieser Aktion sind da immer wieder die Kinder, die mit Ihren Eltern oder Großeltern extra zu dieser Fledermausexkursion kommen. Der Schutz der Fledermäuse steht an erster Stelle, so dass die Tiere zu Zeiten der Coronapandemie nicht gefangen werden dürfen.

Auch Botaniker (Pflanzenkundler) und Herpetologen (Lurch- und Kriechtierforscher) finden manchmal den Weg in die Röderaue und besuchen uns zur Feldstation.

Nicht jedes Jahr haben wir optimales Wetter für Exkursionen und zum Zelten. Vor Jahren bei der Feldstation am „Baudaer Tor“ sind in der Nacht einige abgereist, weil ihre Zelte den Regenmassen nicht standhielten und die niedrigen Temperaturen ihr Übriges taten. Bei der Feldstation im „Tiefenauer Park“ haben wir uns mit Glühwein „aufgewärmt“ und sind dann bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ins Zelt gekrochen. Auch hier haben nur die „Hartgesottenen“ durchgehalten.

Nach 56 Jahren mussten erstmalig im letzten und auch in diesem Jahr unser Zeltlager wegen des Lockdowns zur Corona-Pandemie ausfallen. Wir sind aber zuversichtlich, dass wir im nächsten Jahr unsere 56. Feldstation durchführen können. Dann geht es wieder am Wochenende nach Himmelfahrt - vom 27. Mai bis 29. Mai 2022 - in die Röderaue. Wir hoffen dann auf gutes Wetter, viele Teilnehmer, interessante Beobachtungen und ein angenehmes Wochenende unter Gleichgesinnten.

Renate Wilhelms, Juli 2021



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